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Herr Heveling, sie liegen falsch

In einem Kommentar im Handelsblatt poltert Ansgar Heveling, CDU gerade gegen die digitale Gesellschaft, die digital Natives, gegen Google und Wikimedia – und eigentlich alle, die sich gegen SOPA und PIPA ausgesprochen haben. Gespickt mit abgewetzten Phrasen marodiert er herum, spricht vom „Kampf zwischen der schönen neuen digitalen Welt und dem realen Leben“, der „Schlachtordnung der letzten Tage“ und „kleine(n) Pacmans (die) an den Ideen und Idealen unserer bürgerlichen Gesellschaft knabbern“. Und das um letztlich nur eines zu sagen:

Denn, liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren.
Nun gut. Eigentlich ist's müßig auf diesen Text zu antworten. Denn erstens schmerzt mir vor Lachen schon der Bauch und ich kann vor Tränen in den Augen kaum noch was sehen. Zum anderen ist's offensichtlich, dass der Kommentar Hevelings nicht nur furchtbar schlecht geschrieben daherkommt, sondern auch vollkommen [denkt euch hier euer eigenes Adjektiv] ist. Dennoch: eine kleine Retourkutsche muss sein.

Ansgar Heveling schreibt in seinem Kommentar, er sei „geschichtsbewusster Politiker“. Doch scheint eher das Gegenteil der Fall. Und das lässt sich leicht belegen. Denn Heveling meint...
Diese bürgerliche Gesellschaft mit ihren Werten von Freiheit, Demokratie und Eigentum hat sich in mühevoller Arbeit aus den Barrikaden der Französischen Revolution heraus geformt - so entstand der Citoyen. Und genau dort, in den Gassen von Paris im Jahr 1789, wurde die Idee des geistigen Eigentums geboren.
Öhm. Nein?! Denn erstens gibt’s „le citoyen“ - den Staatsbürger/ Citoyenneté = die Staatsbürgschaft – als Form schon im alten Griechenland. Aber wahrscheinlich gefiel Heveling das mit der französischen Revolution so gut; und ein französisches Wörtchen in einem Text, da kommt man sich auch gleich so intellektuell vor, nicht? Und was hat das geistige Eigentum mit der französischen Revolution zu tun? Nichts. Denn hierbei hat der Kampf gegen den feudalabsolutistischen Staat, das Recht auf Selbstbestimmung, Menschenrecht und Aufklärung im Vordergrund gestanden. Und auch wenn das mit „den Gassen von Paris im Jahr 1789“ so kämpferisch kommt: Das erste Urheberrecht, die Statute of Anne oder auch Copyright Act 1709, wurde im Jahre 1710 in Großbritannien besiegelt - und damit die Vorstellung vom geistigen Eigentum.
Noch ein „bisserl“ früher kam die Statute of Monopolies: eine Art Patentrecht, das 1624 ebenfalls von den Briten ausgerufen wurde.

Sorry, Frankreich, da war das Empire schneller als ihr.

Aber weiter mit Heveling...
Endlich konnte man - unabhängig von Herkunft und Status - mit seines Geistes Schöpfung wirtschaftlich etwas anfangen. Diese Idee des geistigen Eigentums sollte sich als Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent erweisen.
Auch das: leider falsch – oder zumindest sehr strittig. Denn höchstwahrscheinlich ist Deutschland einst nur mangels strengem Urheberrecht zu seinem Ruf als „Land der Dichter und Denker“ gekommen. Im 19. Jahrhundert wurden hierzulande Unmengen Bücher veröffentlicht – ohne große Rücksicht auf die Autoren und Verleger. Hierdurch waren die Druckwerke spottbillig; viele Menschen konnten sie kaufen, lesen, sich bilden und dadurch lernen. Eine „Explosion des Wissens“ war die Folge – und damit ein Innovationsschub, der Deutschland technologisch, intellektuell und fachlich nach vorne brachte. Das behaupten zumindest der Autor und Wissenschaftler Eckhard Höffner.

Was hingegen diesen Satz betrifft...
Eine Idee, deren Bewahrung auch im digitalen Zeitalter lohnt
… da stimme ich Heveling zu. Doch ist DIESES Urheberrecht, DAS HEUTIGE Verständnis von geistigem Eigenttum mit unserer modernen Zeit, Gesellschaft und Kultur nicht mehr vereinbar. Es muss erneuert, überarbeitet und angepasst werden. Mash-ups, Zitate, Meme und vieles mehr zeigt dem Urheberrecht seine Schranken auf. Natürlich sollen und müssen Schöpfer von Ideen in Wort, Bild und Co. davon profitieren und sogar leben können. Doch geht das auch, ohne die digitale Gesellschaft zu Verbrechern und Dieben zu stempeln, das Internet zur Zensurzone und die Idee vom „Verbinden eigener und fremder Ideen“ zur Straftat zu erklären.

Update: Auch schön...

heise.de | netzpolitik.org *2 | sueddeutsche.de | spiegel.de | indiskretionehrensache.de

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#london morning


Nur mal mein Lieblingsbild von meinem letzten London-Ausflug.

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Robert Anton Wilson @ Boing Boing

Noch bis heute ist auf Boing Boing Robert-Anton-Wilson-Woche. Denn vor fünf Jahren ist der Autor von Illuminatus, Schrödingers Katze und Cosmic Trigger und 32 weiterer teils großartiger, teils eher mittelmäßiger Bücher und unzähliger Artikel und Essays verstorben.

Bob was an intensely curious, intellectually playful, and profoundly insightful person and his writing and talks influenced my world view more than any other writer. He wrote about conspiracy theories, government nuttiness, the future, Freemasonry, quantum physics, magick, occult and paranormal phenomena, human behavior, mental models, psychedelic drugs, cult psychology, and the nature of reality.
Um Robert die Ehre zu erweisen, haben sich einige Gastautoren an ihre Zusammentreffen und ihre ersten Berührungen mit Roberts Büchern erinnert, und wie diese ihr Leben verändert haben. Darunter etwa der Comedian Paul Krassner und der Medienkritiker und Journalist Gareth Branwyn. Dazu gibt’s ein paar schöne Anekdoten und Fundstücke aus RAWs Schaffensleben.

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SZ über Multiple Persönlichkeiten

Auf sueddeutsche.de – deren neues Design mir übrigens ausgesprochen gut gefällt – gibt’s einen recht anständigen Artikel über Multiple Persönlichkeiten. Und der kommt angenehm unaufgeregt und unreißerisch daher.

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Ein kurzer Absatz zu Wulff

Wulff kann bleiben, sollte aber besser gehen. Das meine bisherige Meinung zu dem ganzen Tohuwabohu, das um unseren Bundespräsidenten gemacht wird. Der Mann im Schloss Bellevue hat sich mit seinem Interview nicht gerade gestärkt, sondern kläglich gejammert und offensichtlich noch mehr in Erklärungsnot gebracht. Alleine die Geschichte um den Anruf bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann lässt mich stark zweifeln, ob Herr Wulff seinem Posten noch gerecht werden kann.

Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ich der Bild Zeitung mehr glauben muss als dem Bundespräsidenten!
… twitterte Joerg Heidrich etwa und bringt es damit auf den Punkt. Wulff ist nicht mehr glaubwürdig und hat sich damit so ziemlich als Bundespräsident disqualifiziert. Schließlich wird das höchste politische Amt in Deutschland nicht mit Macht und Befugnissen in Verbindung gebracht, sondern mit moralischer Autorität. Und eben diese hat Wulff nun leider verspielt.

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Politik hacken

Gute Lacher und viel Interessantes. Der Vortrag „Politik hacken“ beim 28C3, dem 28. Chaos Communication Congress, von Alexander Müller und Montserrat Graupenschläger ist quasi eine kleine Übersicht und Aufschlüsselung von Methoden um Aktionen, die die politischen wie gesellschaftlichen Sichtweisen aufrütteln. Beispiele sind etwa Adbusting, „Fake“-Demos und das Platzieren von absurden und gefakten Meldungen in den Medien. Toll!

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